Zeitreise: "von Kameniz bis Chemnitz"

Die Chronik des Kellerhauses beginnt mit einer Zeichnung (ca. 1640) von der Stadt Chemnitz und dem bereits 1135 gegründeten Benediktinerkloster - eines der reichsten von Sachsen. Das Kloster gilt somit als der älteste Siedlungsplatz von Chemnitz

Der Verlauf des Chemnitz-Flusses war damals noch "unbegradigt" und auch der Schloßteich wurde bis heute mehrfach durch Menschenhand verändert. Er wurde im 15. Jahrhundert von Benediktinermönchen als Fischzuchtteich angelegt. Um 1879 wurde vom damaligen "Chemnitzer Verschönerungsverein" die Anschaffung von Schwänen für den Schloßteich initiiert. Zu dieser Zeit auch erfreuten sich zahllose Gäste (laut Berichten "in langen Schlangen wartend" am historischen Ruderboot-Verleih) als Gondelgesellschaften auf dem Schloßteich.

Das Kellerhaus fand erstmals Erwähnung in den Ratsakten von 1680 als „Keller Häußgen unterm Schloß“. Mehrere Bauperioden wurden anhand von Untersuchungen am Fundament nachgewiesen. In den fünf Nischen des 13 Meter langen Kellerganges - dem heutigen "Hilariuskeller" (benannt nach einem sinnes- und lebensfrohen Klosterabt) - wurde Bier gelagert. So wurde also bereits 1698 von einer „Gastwirtschaft“ geschrieben und ein „birkeller“ wird neben dem „maltzhaus und brauhaus“ schon um 1541 im Kloster benannt.
Vom Ende des 17. Jahrhunderts wissen wir, dass das "Kellerhäußgen" von einem gewissen Knobloch betrieben wurde, der um 1686 ein neues Schankhaus errichtete.

Chemnitz 1756. Nach einer Darstellung von K. Haustein,1907
Auf den Fundamenten des Kellerganges entstand also zu dieser Zeit das schlichte Fachwerkgebäude, welches wir heute als „Kellerhaus“ kennen, mit den späteren Anbauten nach Süden (1820) und Norden (1870).

Aus alter Zeit berichtet man, dass das Bier, welches hier ausgeschenkt wurde, lange Zeit ein heißes Streitobjekt war und manchem Ratsherrn und dem Oberamtmann aufregende Beschäftigung einbrachte. Es war streng verboten fremdes Bier auszuschenken, dennoch tranken etliche Zecher lieber das hitzige Braunbier aus Lichtenwalde.
Dieses Vergehen mussten Bürger und Hand-
werksburschen mit zwei Tagen Haft büßen
Schloßteich, königliches Amtsschloß, Schloßkirche, Schloßmühle und Kellerhaus (1756)

Schloß und Vorwerk um 1750
und auch der Wirt wurde mit einer Strafe belegt. Dieser sogenannte "Bierkrieg" soll über fünf Jahrzehnte gedauert haben. Trotz aller Strafandrohungen des Rates gingen noch so manche "lüsternen Mäuler und ungehorsamen Köpfe" ins Kellerhaus, um dort "frembde Biere zu sauffen und sie schleppten sie sogar in Flaschen und anderen Geväsen" in die Stadt.

Somit geriet Knobloch ins Visier der brauenden Bürgerschaft von Chemnitz, weil er "fremdes Bier" ausgeschenkt habe. 1698 gelang es seinem Nachfolger Franz Lämmel, eine Schankkonzession zu bekommen, jedoch nur für Chemnitzer Braunbier.
Im Jahre 1727 erhielt das Kellerhaus die Konzession auch Lichtenwalder Bier auszuschenken, doch per Eid nur, wenn das neu gebraute Chemnitzer Bier in der Stadt nicht vorhanden war. Mit der Aufhebung des Gesetzes des Bier- und Mahlzwanges im Jahr 1838 gingen die Querelen um die Durchsetzung des Bannmeilenprivilegs endlich zu Ende.
Etwa um 1900 wurde Feodor Sachse der neue Besitzer des Kellerhauses. Ihm gehörte auch die Gastwirtschaft am Küchwald. Im nördlichen Anbau des Kellerhauses befand sich damals ein "Rasier- und Haarschneide-Salon".

das Kellerhaus um 1920

Das Kellerhaus 1964

Skizzen vom Kellerhaus und der Schlossberg-Gasse (1964 von Christian Richter)
Bis zum Anfang der 60er Jahre hatte das Kellerhaus als Restaurant bestehen können. Danach diente es als Klubhaus für Gehörlose und Sehbehinderte.
Der Mangel an finanziellen und materiellen Mitteln und das mehrheitlich geringe "öffentliche Interesse" hat zu dieser Zeit an sehr vielen Orten in der DDR tiefe Schneisen in den Denkmalschutz geschlagen. Somit war auch im Kellerhaus vermutlich die gesamte Bausubstanz verschlissen und eine Sanierung unter gastronomischen Aspekten und Anforderungen "nicht notwendig". Und was mit der "Wende" folgte, war der Leerstand und ein übrig gebliebener, halb verfallener Schandfleck am Fuße des Schloßbergs.

das Kellerhaus Ende der 80er Jahre
Kellerhaus 2000, Foto: Andres Seidel
Doch nach der politischen "Wende" sollten auch bald Pläne gefasst werden, um an den Wurzeln dieser Stadt, am Ursprung von Kameniz das historische Schloßchemnitz wieder zu entdecken.
Da, wo unter dem Einfluß der Industriellen Revolution die Schloßvorstadt mit bedeutenden Manufakturen, vom Lokomotivbau, Textil- und Werkzeugmaschinen das Gesicht der Stadt prägten und Namen wie Hartmann und Schönherr das "sächsische Manchester" weltbekannt machten, sollte auch die noch frühere Geschichte einen ehrenvollen Platz wiederfinden.
Die bemerkenswerten Stadtvillen früherer Unternehmer zeichneten den "Rand" des Küchwaldes und auch das Gesicht des Schloßchemnitz, als "Eingang zur Chemnitzer City". Es gehörte fortan zum behutsamen Sanierungsgebiet mit Schwerpunkten wie Erholung, Tradition und Denkmalschutz.
Zu dem liebevoll restaurierten Ensemble jahrhunderte alter Fachwerkhäuser unter der Schloßkirche zählte auch das Kellerhaus.

Und bis zum heutigen Bild des Kellerhauses war es noch ein reichlich steiniger und langer Weg für Investoren und Bauherren, um Denkmalschutz und moderne Vorschriften für gastronomische Einrichtungen unter dem alten Gebälk einvernehmlich unterzubringen.

Aber jeder unserer Gäste wird in einem der schönsten und ältesten Gebäude in Chemnitz und Umgebung die Zeitreise genießen können und kulinarisch keine Wünsche offen sehen.
Autor: Marian Richter, Jan. 2013

Quellen (mit Dank an):
versch. Artikel der "Freien Presse"
"Chemnitzer Seiten" 2010, Autor: Türmer Stefan Weber